Robert Pimm

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Im Dienst Ihrer Majestät

Die Diplomatin Trudy Curry ist Vizekonsulin an der Britischen Botschaft in Berlin. Jetzt geht sie nach Beirut. Begonnen hat sie ihre Karriere als Sekretärin im Foreign Office Von Robert Pimm

Die Welt, July 17, 2004

Ich war sehr gern Sekretärin”, sagt Trudy Curry. “Man ist immer mittendrin. Aber die Art und Weise, wie man im Foreign Office arbeitete, änderte sich. Auf einmal hatte jeder einen Computer auf dem Schreibtisch. Mir war klar, dass Änderungen auf uns zukamen.”

Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen flexibler sein – so lautet ein Schlachtruf der Wirtschaftsreform. Für das britische Außenministerium hat das zur Folge, dass Mitarbeiter, die als Bürokräfte oder Sekretärinnen angestellt werden, in die Diplomatenlaufbahn übernommen werden können. Wie aber fühlt man sich, wenn man diesen Sprung geschafft hat?

Trudy Curry wuchs in einem Dorf in Südwestengland auf und ging nach der Mittleren Reife von der Schule ab. Vom Foreign Office, dem britischen Außenministerium, erfuhr sie zum ersten Mal, als sie einen einjährigen Kurs für Sekretärinnen in Exeter absolvierte und den Vortrag einer Berufsberaterin hörte. “Sie schilderte uns das Leben im Ausland als sehr interessant”, sagt Trudy Curry. “Über Botschaften wusste ich damals nur, dass sie Briten im Ausland halfen, wenn sie in Not waren.”

1975 begann sie beim Foreign Office. “Ich wurde zu zwei Vorstellungsgesprächen und einem Test in Steno und Maschineschreiben eingeladen. Man interessierte sich für meine Qualifikationen, aber vor allem für meine Einstellung: wie ich auf verschiedene Situationen reagieren würde, wie ich es fände, im Ausland zu leben. Es war ein ziemlicher Schock, als ich die Stelle bekam: Ich war 17 und noch nie von zu Hause weg gewesen.”

Wie war die Arbeit als Sekretärin? “Die Anfangszeit in London war sehr hart. Ich konnte mir nur triste Wohnungen leisten, schlecht geheizte Ein-Zimmer-Apartments. Aber allmählich wurde es besser. 1977 arbeitete ich für Feldmarschall Lord Carver, im Zusammenhang mit dem damaligen Rhodesien. Eines Tages fragte er mich, ob ich eine Verhandlungsdelegation nach Afrika begleiten wolle. Wir flogen in einer Hercules-Maschine der Royal Air Force, zusammen mit 20 Soldaten. Mein Vater fand das gar nicht lustig!” Zwei Wochen reisten sie durch Kenia, Tansania, Rhodesien, Sambia, Botswana, Südafrika und Nigeria. Ein Jahr später dann fragte das Personalreferat, ob Curry drei Monate bei der UNO-Vollversammlung in New York arbeiten wollte: “So kam es, dass ich meinen 21. Geburtstag in einem New Yorker Restaurant gefeiert habe.”

Currys erster richtiger Auslandsposten war in Canberra – im Vorzimmer des damaligen Hochkommissars, Sir John Mason. “Wir kamen gut miteinander klar. Als ich zwei Jahre später heiratete, übernahm er die Rolle des Brautvaters.” Ihren Mann Pete, einen Neuseeländer, lernte sie in Sydney kennen. Damals gab es im Foreign Office noch nicht viele Frauen, die von ihren Männern begleitet wurden. “Ich wurde dann nach Brüssel versetzt, und als Pete versuchte, dort Arbeit zu finden, bekam er nicht viel Unterstützung von der Botschaft. Aber schließlich hat er selber etwas gefunden.”

1987 wurde Trudy schwanger mit dem ersten ihrer zwei Kinder. Sie nahm fünf Jahre unbezahlten Urlaub und arbeitete ab 1992 wieder. “Nach einem Jahr in London wurde ich nach Accra in Ghana versetzt, als Assistentin des Stellvertreters des Botschafters. Damals fragte mich das Personalreferat, ob ich in die Diplomatenlaufbahn wechseln wollte. Es gab immer weniger Sekretärinnenstellen im Ausland. Wenn ich weiterkommen wollte, müsste ich wechseln.” Ihren ersten Job in der neuen Laufbahn absolvierte sie als Leiterin der Visa-Abteilung in Doha (Katar).

Wie war dieser Wechsel? “Bevor ich die Stelle antrat, wurde ich erst einmal auf einen dreiwöchigen Lehrgang über Visa-Angelegenheiten geschickt – einen Tag verbrachten wir beim Immigration Service auf dem Flughafen Heathrow. Außerdem nahm ich an Kursen über Personalführung und Beratung am Arbeitsplatz teil.” Der Job war nicht einfach für eine Frau: “Mein Vorgänger war ein Mann, und wenn ich einen Antrag auf ein Visum ablehnte, wollten die Leute manchmal ,den Chef sprechen'”.

Anschließend bewarb sie sich auf die Stelle einer Vizekonsulin/Verwaltungsreferentin in Berlin. “Deutschland hat mir immer gefallen – ich habe als Kind hier gelebt, als mein Vater in der Armee war. Nach der Wiedervereinigung reizte mich Berlin besonders.” Zur Ausbildung gehörten diesmal ein dreiwöchiger Management-Kurs und ein dreiwöchiger Kurs über Konsulararbeit. “Damit wir auf alles vorbereitet wären, besuchten wir auch einmal ein Leichenschauhaus. Und wir waren im Gefängnis Wormwood Scrubs.”

Inwiefern ist die Arbeit als Diplomatin anders? “Man hat mehr Verantwortung und muss mehr Entscheidungen treffen”, sagt Curry. Die Konsulararbeit könne einem auch persönlich sehr nahe gehen – zum Beispiel, wenn sie mit Briten zu tun hat, die im Ausland krank oder verhaftet werden. Dann kann es passieren, dass sie mitten in der Nacht angerufen wird und plötzlich eine Entscheidung über die medizinische Behandlung treffen muss. Auch Entscheidungen über Visa-Anträge sind manchmal nicht leicht, zudem trägt sie Personalverantwortung: “Als ich in Doha anfing, hatte ich plötzlich drei Mitarbeiter. Das hat mir Spaß gemacht, aber ich hatte das Gefühl, ins kalte Wasser geworfen zu werden.”

Begegnet man ihr heute anders als früher, als sie noch Sekretärin war? “Hier in Deutschland benutzen die Leute gern Titel – ich erhalte häufig Einladungen, die an mich als Vizekonsulin bei der Botschaft adressiert sind. Ich glaube, dass sich manche von Titeln beeindrucken lassen.” Bereut sie etwas? “Nein”, sagt sie: “Ich arbeite wirklich sehr gern beim Foreign Office. Ich habe viele tolle Leute kennen gelernt und an interessanten Orten gelebt. Es ist ein wunderbarer Beruf.”

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